Plattensammlung von DJ Cuebism

Die Kritik

Wie man eine Kritik schreibt!

Die Kritik ist eine funktionale Mischform aus Bericht, Kommentar, Interpretation und Reportage. Sie gehört zu den meinungsbetonten Darstellungsformen.

Die Kritik und ihre Formen

Kritik zu üben, ist nicht leicht. Gute Kritik will abgewogen und mit Anspruch verse­hen sein. Kritik kann positiv oder negativ ausfallen. Kritik hilft beim (Aus-)Sortie­ren, aber auch beim Verbessern. Wer Kritik übt, fällt Urteile und macht sich angreifbar.

Im eigentlichen Sinn ist die Natur der Kritik positiv, trotzdem wird sie allzu oft missverstanden. Das Feld für Kritik ist breit. Wenn Sie als Journalist Kritik üben wollen, stehen Ihnen große Themengebiete zur Verfü­gung. Unter anderem gibt es folgende Spielarten der Kritik:

  • Filmkritik
  • Buchkritik
  • Musikkritik
  • Theaterkritik
  • Spielkritik
  • Kunstkritik

Die Kritik, auch Kulturberichterstattung, hebt sich von anderen Formaten im Journalismus ab. Das liegt vor allem daran, dass die Kritik eine funktionale Mischform aus Bericht, Kommentar, Interpretation und Reportage ist. Im Gegen­satz zur Nachricht darf eine Kritik die Meinung des Autors offen zur Schau stellen. Oft ist ein eigener Standpunkt sogar ausdrücklich erwünscht, besonders dann, wenn der Leser die Meinung des Kritikers schätzt.

Im Kern erfüllt eine Kritik mehrere Aufgaben. Einerseits ist sie ein Bericht über etwas Geschehenes wie z.B. ein Musikkonzert oder eine Theateraufführung, ande­rerseits aber versteht man eine Kritik auch als Kommentar. Während der Bericht das Ereignis beschreibt, bewertet der Kommentar das Geschehen. Diese Analyse ordnet, bemisst, kritisiert und vergleicht das Ereignis mit anderen seiner Art. Um dem Leser diese Analyse näher zu bringen, bietet man ihm innerhalb der Kritik oft eine Inhaltsangabe an. Unter diesem Gesichtspunkt ist sie auch immer ein Servicedienstleistung für den Leser. Die Kritik übernimmt eine Art Filterfunktion.

Hilfreich und wichtig für eine runde Kritik ist oftmals eine These zum Ereignis. Diese These spiegelt sich oftmals in der Überschrift der Kritik wider. Anders als im Nachrichtenjournalismus muss die Überschrift für den Leser nicht direkt verständlich sein und ihr Sinn darf sich erst mit dem Anreißer oder in den folgenden Unterzeilen erklären.

Gute Kritik setzt gute Maßstäbe voraus. Je mehr Insiderwissen Sie besitzen, desto abgewogener können Sie eine Kritik schreiben. Denn wer ein Ereignis aus zahlreichen Per­­spektiven betrachten kann, dem fallen schneller Zusammenhänge und Wechsel­­wirkungen auf. Hintergrundwissen liefert Ihnen, dem Rezensenten, eine erste Messlatte für eine professionelle Beurteilung. Deswegen gehört auch zur Kritik eine umfassende Recherche.

Im Anschluss an eine Kritik mit einer klaren Bewertung dürfen Sie nicht die techni­schen Hinweise vergessen, also Orte, Termine, exakte Titelangaben sowie weiter informierende Webseiten – diese Serviceleistung beschließt die Kritik.

Musikgeladene Plattenkritiken

Ich widme mich an dieser Stelle dem Thema Plattenkritik, viele Tipps und Anregun­gen können aber auch als Blaupause für alle anderen genannten Formen der Kritik dienen. Letzten Endes stehen bei allen Arten der Kritik immer Künstler und Kreative im Mittel­punkt, egal ob Schauspieler, Musiker, Grafiker oder Regisseure.

Den Kreativen steht das Publikum gegenüber. In diesem Spannungsfeld bewegen Sie sich und vermitteln Sie Ihre Kritik. Sie wägen ab, ob der Film spannend, der Theaterbesuch lohnenswert oder die Musik ihren Preis wert ist. Je genauer Sie Ihre Leserschaft kennen, desto einfacher treffen Sie die passende Sprache. Kennen Sie andere Arbeiten des Künstlers oder haben Sie Hintergrundinformationen recherchiert, fällt Ihnen die Einordnung seines Werkes einfacher und sie können es besser einordnen. Dann wirkt die Kritik fundierter und eloquenter.

Wer über Musik schreibt, von dem erwarten die Leser, dass er sich auskennt. Das Wichtigste im Musikjournalismus – der oft auch ein Geschmacks- und Trendjour­nalismus ist – sind der eigene Gusto und eine faire Behandlung der Musiker und ihrer Musik. Generell kann man sich daran orientieren, dass es, wenn Ihnen eine Platte richtig gut gefällt, auch andere Menschen diese gefallen werden.

Im umgekehrten Fall, also bei einem langweiligen und inspirationslosen Album, wird es auch Menschen geben, die wie Sie das Album niemals kaufen würden und es für belanglos halten. Behalten Sie auch immer im Auge: Wer kritisiert, ruft Gegenkritik auf den Plan.

Ist ein Leser über einen Verriss seiner Lieblingsband erbost, müssen Sie sich mit diesem fair auseinandersetzen und keinesfalls die Hal­tung einnehmen: “Der hat ja gar keine Ahnung!” Doch, hat er! Und vor allem einen eigenen Geschmack.

Neben dem Fachwissen ist im Musikjournalismus eine kritische Haltung wichtig. Reine Lobhudelei nutzt niemandem etwas. Gerade weniger erfahrene Musikkritiker neigen dazu, neue Musikveröffentlichungen in den Him­mel zu loben. Das mag daher kommen, weil Loben einfacher ist als Kritisieren. Außerdem hat man mit einem Lob mindestens einen auf seiner Seite: die Musiker.

Was macht eine gute Plattenkritik aus?

Eine gute Musikkritik schafft den Spagat zwischen Bewertung und Information. Sie klärt den Leser auf, was ihn auf der neuesten Veröffentlichung von Künstler X erwartet und wie die Qualität des Albums einzuschätzen ist.

Auch wenn Sie für ein spezialisiertes Publikum schreiben, das sich in dem entspre­chenden Musikgenre gut auskennt: Schreiben Sie Ihre Kritik auch immer verständlich für Neulinge. Einerseits wollen Sie eine gute Musikveröffentlichung weiterempfehlen und andererseits neue Leser nicht vor den Kopf stoßen, indem Sie den Superspezialisten raushängen lassen. Eine hochspezialisierte Sprache, wie Sie oft in Musik­medien genutzt wird, schreckt eher ab, als dass sie neugierig macht. Natürlich macht es Spaß, sich als Spezialist und Kenner zu profilieren, aber hinter Fachbegrif­fen – von denen es in der Musik viele gibt – kann man sich auch verstecken. Vermei­den Sie deshalb allzu differenzierte Genre-Bezeichnungn.

Textlänge und wichtige Angaben

Schaut man in Musikmagazine, so trifft man in der Regel auf drei Formate:

  • kurz und kna­ckige Kritiken im News-Format mit maximal 500 Zeichen
  • längere Musikrezensionen um die 1.000-1.200 Zeichen
  • große kolumnenartige Rezensionen, die unter Umstän­den sogar die 3.000-Zeichen-Grenze sprengen.

Allein das gewählte Format bestimmt über die Art der Rezension. Während Kritiken im News-Format schnell auf den Punkt kommen müssen und eher informativen Charakter haben, entpuppen sich Musikkritiken mit mehr als 3.000 Zeichen als Feuilletonbeiträge. Diese kolumnenar­tigen Besprechungen konzentrieren sich nicht nur auf die eigentliche Veröffentli­chung, sondern reihen sie meist in einen größeren Zusammenhang ein oder verbinden die Kritik mit zusätzlichen Informationen aus dem Umfeld der Musiker.

Hinweis: Um die Zeichenanzahl eines Texts zu bestimmen, bieten Textverar­beitungen Extrafunktionen an. Um mit Word Zeichen und Wörter zu zählen, markieren Sie den jeweiligen Textabschnitt und öffnen die Funktion über Extras › Wörter zählen. Die gleiche Funktion finden Sie bei Open Office unter Extras › Wortanzahl. Schreiben Sie Ihre Texte mit Google Docs, finden Sie die Funktion unter Tools › Wörter zählen.

Musikkritiken um die 1.000-1.200 Zeichen bilden die goldene Mitte zwischen Nur-Information und ausschweifender Kulturkritik. Die Formatierung solcher Kritiken gestalten die verschiedenen Musikmedien unterschiedlich. Während z.B. das Magazin Intro versucht, dem Leser schon im ersten fettgedruckten Satz einen Eindruck des Musikstils zu geben, sortieren andere Magazine die jeweiligen Veröf­fentlichungen direkt in eine Rubrik ein. Eine weitere Möglichkeit, dem Leser eine erste Orientierung zu bieten, ist eine Genreeinordnung in Klammern noch vor dem ersten Satz der Kritik:

Comfort Fit - Use It Or Loose It

Instrumental-HipHop – Elegant und druckvoll, was uns Comfort Fit mit seiner »Use It Or Loose It EP« vorlegt. Satte Beats, ohrenbetörende Melodien und jede Menge Wipp-Mit-Faktor…

Neben der Möglichkeit einer Sortierung sollten auf jeden Fall die folgenden Bestandteile bei einer Kritik auftauchen:

  • Titel des Albums
  • Name des Künstlers
  • Label und Vertrieb des Albums
  • Datum der Veröffentlichung

Handelt es sich bei dem Album um eine Zusammenstellung (Compilation), benutzt man üblicherweise die Abkürzung V.A. für »Various Artists« oder ein deutsches Wort wie Diverse.

Da Sie im Internet die Möglichkeit haben, einer Musikkritik wei­terführende Multimedia-Dateien beizufügen, sollten Sie davon auch Gebrauch machen. Gern gesehen sind Links zur Website des Künstlers oder eingebundene MP3s, die sich direkt auf Ihrer Website anhören lassen oder zum Download vorlie­gen. Hier ist bei urheberrechtlich geschützten Werken jedoch Vorsicht geboten. Binden Sie fremde MP3-Dateien nur dann ein, wenn der Urheber sein Einverständnis dazu erklärt hat. Ist der Musiker Mitglied einer Verwertungsgesellschaft, wie z.B. Der GEMA, ist Vorsicht geboten. Da Sie selbst bei Promo-MP3s verpflichtet sind an die GEMA Gebühren für Musik-Downloads und Musik-Streaming zu zahlen.

Liegen die Musik-Downloads jedoch au den Websites der Musik-Labels dann verlinken Sie lieber die Webseite mit Promotion-MP3s und schicken Sie ihre Leser dorthin. Dadurch vermeiden Sie – manchmal nicht unwesentliche – Kosten. Ein gutes Bei­spiel für MP3-Rezensionen und Verlinken von Musik ist die Internetseite www.tonspion.de. Der Tonspion sucht jeden Tag nach neuen kostenlosen legalen MP3s im Internet. Diese werden anschließend rezensiert und auf der Website verlinkt. Neben der musikalischen Einordnung und Bewertung der Musik bilden Anspiel­tipps einen guten Startpunkt für die Leser.

www.allmusic.com (englisch)
Website für Künstlerbiografien und ausgewogene Musikkritiken – exzellente interne Verlinkung der Künstler untereinander und ihrer Veröffentlichungen, guter Ausgangspunkt für die Recherche
Zeit.de – »Kunstkritik: Die Feigheit der Kritiker ruiniert die Kunst«
Was ist ein gutes Bild? Die Avantgarde hat sich lange schon erschöpft, die Grenze der Grenzenlosigkeit ist erreicht. Doch die meisten Kritiker scheuen das Urteil. Sie folgen dem Markt und schaden damit den Künstlern und ihren Werken.

Aufbau und Elemente einer Kritik für eine Website

Mit Hilfe der folgenden Elemente bauen Sie eine perfekte Kritikwebseite auf.

  • Überschrift
  • Unterüberschrift
    • Interpret, Regisseur, Band, Autor
  • Zusätzliche Informationen
    • Genrebezeichnung
    • Schauspieler, Regisseur
    • Veröffentlichungsdatum
    • Land
  • Bild
    • Plattencover
    • Filmposter
    • Buchcover
    • Screenshot(s) aus dem Spiel
    • Bilder der Live-Aufführung (Konzert, Theater,…)
  • Bewertung

    • Sterne
    • Prozentzahl
    • Punktesystem
  • Text
    • Anreisser (Teaser) in Form eines Satzes
    • Inhaltsangabe
    • Links zu verwandtem Material
    • Fazit
  • Name des Autor der Kritik
  • Servicedienstleistung
    • Kaufenlink
    • Videomaterial (Trailer/Single/Interview)
    • Themenverwandte Links unter der Kritik
    • Links zu
      • Künstler-Website
      • Label-Website
      • Kostenlosen Downloads
      • Facebook, Twitter und anderen sozialen Medien
  • Kommentare

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